Wir sind allesamt Heuchler. Wir alle, die wir uns im Internet präsentieren und eine Fassade annehmen, die nicht wir selbst sind. Wir sind lustig, genießen das Leben, wir sind kritisch anderen gegenüber und der Meinung wir allein hätten das Leben verstanden. Dann loggen wir uns bei Facebook/Twitter/Wordpress aus, machen uns eine Tasse Tee, legen melancholische Musik auf und weinen uns in den Schlaf. Wir sind nicht in der Lage unsere private Gefühlslage nach außen zu tragen und fühlen uns gut dabei andere Leute zu bemeckern, denen es so schlecht geht, dass sie es nötig haben ihren Schmerz öffentlich zu machen. Dabei wird uns in diesen Momenten ein Geschenk gemacht: Das Geschenk in das wahre Ich jener Personen zu blicken, die wir sonst nur als schlagfertig und selbstbewusst kennen. Aber warum eigentlich?
Ich rede nicht davon, dass wir all unsere Gefühle und Gedanken preisgeben. Gott… ich will nicht wissen mit wem ihr wann Sex hattet. Ich will nicht wissen, dass ihr euch gerade die Seele aus dem Leib kotzt, weil ihr euch beim Chinamann Salmonellen eingefangen habt. Aber ich will wissen wer ihr seid, was euch bewegt, was euch nachts wach hält. Ich will all das wissen, was ich in Wirklichkeit auch von meinen Freunden erfahren möchte. Viele von euch sind zu Freunden geworden. Freunde, die ich zwar noch nie gesehen habe, aber denen ich trotzdem mehr Zeit widme als vielen anderen Menschen, die ich in der “echten Welt” als Freunde bezeichne. So freakig das auch klingt, aber es ist nunmal die Wahrheit. Aber warum sind wir dann so unpersönlich?
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