abwegig.

Mein Plädoyer für Lena Meyer-Landrut

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Heute möchte ich mal zu meiner Meinung Stellung nehmen, die ich in den letzten Tagen mehrmals öffentlich geäußert habe: Ich denke, dass wir mit Lena Meyer-Landrut die beste Wahl zur Vertretung unseres Landes beim Eurovision Song-Contest getroffen haben. Dies soll nicht in einem Fanboyhaften Gelabere ((Ich bin schließlich überhaupt kein großer Fan des Eurovision Song Contest. Ich denke einfach nur, dass wir endlich mal die Chance haben die Zukunft von Castingshows zu beeinflussen um mal die wirklichen Talente zu entdecken)) enden, sondern relativ strukturiert darstellen, welche Faktoren für diese Sängerin sprechen.

Um meine Meinung zu verteidigen, möchte ich die zwei Hauptargumente gegen Lena Meyer-Landrut nennen:

Lena kann doch überhaupt nicht singen – Jenny hat eine viel schönere Stimme gehabt!

Warum schicken wir nicht unsere international bekannten Bands nach Oslo, anstelle eines Mädchens, welches keiner kennt?

Diese beiden Aussagen stehen im Raum und werden im Folgenden näher besprochen.

Zuerst steht die Frage nach der Sangesqualität von Lena. Ich denke es war nicht sonderlich schwer zu erkennen, dass Jenny’s Stimme sehr viel besser ausgebildet war und von einem rein qualitativen Aspekt eine Klasse schöner als die von Lena war. Das mag ich auch gar nicht bestreiten, denn schließlich ist dies auch meine Meinung. Aber das Problem ist, dass diese Stimme austauschbar ist. Würden wir Jenny nach Oslo schicken, würde sich halb Europa denken, dass wir ja ne nette und gute Sängerin haben. Zwei Lieder später wäre diese aber auch wieder vergessen, weil Moldawien einen einarmigen Eunuchen ((Ich hab ehrlich gesagt keine Ahnung, wer für Moldawien auf der Bühne steht und will auch niemanden auf den Schlips treten. Das fiel mir nur grad ein)) auf der Bühne stehen hat, welcher am Ende den Grand Prix gewinnt. Die Problematik, der wir uns mit Jenny als Vertreterin stellen müssten, erleben Formate im Stile von Deutschland sucht den Superstar jedes Jahr aufs Neue: Das Ergebnis ist jedes mal langweilig und ähnlich einfallslos wie im Jahr zuvor.

Nun haben wir Lena auf der Bühne: eine ausgeflippte 18-jährige ohne Gesangsausbildung, die aber mit ihrer Natürlichkeit und ihrem außergewöhnlichem Stil auffällt. Sie scheut sich nicht, diesen Stil auch auf der großen Bühne zu vertreten, auch wenn dieser nicht dem Mainstream entspricht und genau das ist der Vorteil dieser außergewöhnlichen Sängerin: Im Gegensatz zu einer Jenny ist diese nicht austauschbar. Sie fällt auf, polarisiert und bleibt genau deswegen im Gedächtnis. So wird es auch in Europa sein, denn seien wir mal ehrlich: Welcher der Gewinner der letzten Jahre ist uns im Gedächtnis geblieben? Bei mir ist es nur die finnische Metal-Band Lordy. Lena ist jetzt keine Metal-Band, aber sie zeigt in welche Richtung wir gehen müssen, um in Zukunft wieder gewinnen zu können: Wir müssen einfallsreich sein und uns auch mal trauen jemanden zum Stellvertreter zu ernennen, der vielleicht nicht in unser klassisches Pop-Schema passt.

“Lasst uns Tokio Hotel nach Oslo schicken, damit gewinnen wir garantiert!”

Nun widme ich mich der Frage, warum wir denn nicht einfach eine international bekannte Band wie Rammstein oder Scooter zum Stellvertreter ernennen. Andere Länder haben dies bereits versucht: Erinnern wir uns einmal an das Jahr 2003 zurück, als für Russland ein bekanntes Teenie-Duo mit dem Namen t.A.T.u. auf der Bühne stand. Die beiden erreichten zwar nur mit 3 Punkten Rückstand auf den ersten Platz immerhin Platz 3, aber gewonnen hat letztendlich eine unbekannte Sängerin aus der Türkei. Sehr viel deutlicher ist allerdings das Beispiel von DJ Bobo im Jahre 2007. Dieser ist mit wehenden Fahnen mit einem katastrophalen 20ten Platz im Halbfinale untergegangen, obwohl er als sehr aussichtsreicher Kandidat galt, denn schließlich fährt das Genre des Eurodance regelmäßig viele Punkte ein. Wir sehen also anhand dieser beiden Beispiele, dass international erfolgreiche Künstler keine Garantie für den Erfolg liefern müssen!

Zudem halte ich den Eurovision Song Contest für eine hervorragende Bühne für bis dato unbekannte Künstler. Man nehme nur das Beispiel Abba, welche vorher unbekannt, mit dem Lied Waterloo im Jahre 1974 eine unvergleichliche Karriere starteten. Man mag über die Qualität der Künstler streiten, aber letztendlich gilt, dass es ein wunderbares Sprungbrett für Künstler ist, die vorher international gänzlich unbekannt waren. So kann es auch einer Lena Meyer-Landrut ergehen, wenn sie es schafft, in Europa einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Die Rufe nach international bekannten Künstlern als Stellvertreter für Deutschland riechen immer sehr stark nach Erfolgsgier und lassen dabei außer Acht, dass diese Bands, wie bereits oben erläutert, nicht unbedingt den Erfolg bringen müssen.

Ich hoffe ich habe anschaulich dargestellt, warum ich denke, dass wir mit Lena Meyer-Landrut eine gute Wahl getroffen haben. Ich wünsche ihr das Beste, nicht zuletzt deswegen, weil sie damit zeigen würde, in welche Richtung sich unsere Entscheidungen in Casting-Shows ((Zu der Frage, ob diese sowieso getürkt sind, möchte ich mich an dieser Stelle eigentlich nicht äußern. Aber ich glaube ernsthaft, dass diese ungetürkt vonstattengehen)) zu ändern haben, damit auch mal wirklich ein Superstar aus diesen Shows entspringt!

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6 Kommentare

  1. signed

    Mehr gibt es dazu nicht zu sagen

  2. ich habe den Song am WE zum ersten mal gehöt und ich muss sagen, dass er mir wirklich gefällt.

  3. Schlimm genug, dass du die Namen von den Teilnehmern kennst. Lena? Jenny? GNTM ist mein einziges Casting-Guilty-Pleasure, Lena und Jenny habe ich noch nie gesehen oder singen gehört, interessiert mich auch irgendwie kein bisschen. Warum auch? Beim Grandprix bla Eurovision irgendwas wird D doch eh wieder ganz unten landen, egal wer für “uns” singt. Nicht das ich das gucken würde.

    PS: der Teil über ABBA ähnelt aber sehr dem Abschnitt im Wiki-Artikel ;-)

  4. @David: Naja, da wir uns auf diese Weise international präsentieren ist es schon interessant was wir da hinschicken. Ist ja auch egal, wollte nur mal meine Meinung loswerden – Jeder geht da ja schließlich anders an die Sache heran.

    Natürlich klingt der ähnlich, irgendwo musste ich mich ja auch informieren ;)

    @kamil: Ich hab den inzwischen schon sehr häufig gehört und er wird mir nicht langweilig. Ein gutes Zeichen!

    @Mondgesang: Danke! :)

  5. :grin: Da hattest du aber eine prophetische Gabe,deine Analyse war absolut richtig,Kompliment!
    Mir ist sie auch gleich aufgefallen weil sie unkonventionell war und Indepententsongs bei der Qjuali(My Same,Diamond Dave usw.) vortrug.
    Sie war die würdige Siegerin!
    Aber jetzt will s sie es noch mal wissen 2011,ob dabei eine erneute gute Platzierung gelingt?

  6. Vielen Dank :)

    Ihre ungewöhnliche Art hatte ihr letztes Jahr den Sieg gesichert, dieses Jahr dürfte es anders aussehen, weswegen ich der Meinung bin, dass sie nicht ein weiteres mal antreten sollte. Lena ist in Europa einfach keine Unbekannte mehr die mit ihrer Unkoventionalität alle begeistern wird. So einfach ist das. Wir sollten da weitermachen, wo wir letztes Jahr angefangen haben: Lasst uns jemand Unbekanntes und Frisches nach Düsseldorf schicken!

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