Erlebte Feste, verflossene Lieben, vergangene Freundschaften, gute Erinnerungen, verfehlte Wünsche, gebrochene Träume. Im Kopf ein Fotoalbum vergangener Ereignisse, im Herzen ein Notizbuch verpasster Chancen. Es gibt vieles, das man erlebt hat, aber tausendmal mehr, das man verpasst hat: Beides prägt den Bestand des aktuellen und zukünftigen Daseins. Ich bin jemand, der sich sehr stark auf Erlebtes stützt, ganze Abende darüber nachdenken kann, was mal war. Vor allem wenn ich der Heimat, Göttingen, wieder mal einen Besuch abstatte, kommen diese Gedanken wieder hoch. Ich bin nicht unglücklich, ganz bestimmt nicht: Mit einer fantastischen Freundin, sehr guten Freunden und einem schönem Mix aus Erlebnissen und Ruhe fühle ich mich sehr wohl. Aber dennoch hänge ich sehr stark an meiner Vergangenheit.
Gut, es war wirklich nicht alles toll an meiner Jugend, aber das ist nun mal das Glück der Nostalgie: Alles sieht besser und verlockender aus, wenn man es Jahre später betrachtet. Ich habe nun aber auch das Glück, mit vielem meiner damaligen Freunde auch immer noch ein sehr gutes Verhältnis zu haben. Es ist einfach erstaunlich, wie man sich nachdem man sich eventuell mehrere Jahre nicht gesehen hat, immer noch so versteht als wäre nicht ein Tag vergangen. Ich genieße diesbezüglich ein Privileg dessen ich mich wirklich sehr glücklich schätzen kann.
Was mich so nostalgisch macht? Ich nehme an, es ist die Ungezwungenheit und Freiheit die man als Jugendlicher noch genießt. Die ganze Welt steht Einem offen, wenn man sich nur darüber Gedanken machen muss, wie man am nächsten Tag dem Lehrer zu erklären hat, dass man wieder einmal die Hausaufgaben nicht gemacht hat. Die ganze Welt steht Einem zur Verfügung, wenn eine merkwürdige SMS des Schwarms die größten Sorgen sind. Alles scheint möglich, wenn man die Sorgen des Erwachsenseins durch eine unbeteiligte Brille betrachten kann. In Zeiten, in denen man am Anfang des Monats überlegen muss, ob das Geld reicht, in denen man sich den Kopf darüber zerbricht, ob man alle Aufgaben auch rechtzeitig schafft und die Zukunft so ungewiss wie nie zuvor erschien, sind solche Sorgen ein wirklicher Luxus.
Ich hatte das Glück mit einer großen Anzahl an Hobbies gesegnet zu sein. Da war zum einen natürlich meine Liebe zu Videospielen, aber auch sehr viel musikalisches Interesse, in Form von Bands und ähnlichen Projekten, und weiterhin, was meine Jugend wohl am deutlichsten geprägt hat, meine Liebe zum Standardtanz. All das hat es mir ermöglicht, dass mir selten langweilig wurde und ich mit vielen Leuten in Kontakt kam. Viele Leute die ich traf und ein paar Tage später wieder vergessen hatte, weil jemand Neues des Weges kam – Ein Luxus. (Sollte irgendein männlicher Jugendlicher das hier lesen: Geht in eine Tanzschule! Dort lernt man so viele Mädels kennen, wie sonst nirgendwo.)
Aber was ist nun der Sinn dieses Artikels? So richtig festmachen kann ich das nicht, er ist eher aus einem solchen obengenannten Anfall von Nostalgie entstanden und soll für mich selbst festhalten, was meine Jugend eigentlich so besonders gemacht hat, dass ich sie häufig vermisse, auch wenn es mir heute auch sehr gut geht.
Was denkt ihr über eure Jugend? Stehe ich alleine da mit einem solchem Übermaß an verklärter Nostalgie, oder habt ihr einen ähnlichen Blick?
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24. September 2011 um 14:31 Uhr
Es ist so einfach, sich ein falsches Bild von einem Menschen zu machen, wenn das, was man von ihm erfährt, lediglich über ein social medium kommuniziert wird. Schlimm eigentlich. Schön zu sehen, dass hinter dem memspuckenden Twitteraccount ein Mensch mit auch nichtnerdtypischen Hobbies steckt.
P.S. Liebe Jugendliche: Wenn ihr unansehnlich und schüchtern seid: Spart euch die Tanzschule. Ablehnung und Demütigung erfahrt ihr so schon genug.
26. September 2011 um 09:06 Uhr
Ja, so ziemlich jeder Social Network User dürfte sich eine Art Idealbild erstellen, wie er agieren möchte. Schön, wenn ich einen Einblick in meine Person geben konnte. Genau dafür war die Neuausrichtung meines Blogs auch gedacht, nur dass ich bis jetzt einfach nicht dazu kam einen solchen persönlichen Text zu schreiben.
Das mit der Tanzschule sehe ich anders, vielleicht hatte ich auch nur Glück: Ich war immer ein Außenseiter, bis zu dem Moment, an dem mich ein Freund in die Tanzschule geschleppt hat. Nicht nur lernte ich einiges über Körperkontrolle (Also: wie habe ich mich zu bewegen etc.) sondern auch im Umgang mit Frauen. Dadurch, dass ich mich beim Tanzen wirklich wohl gefühlt habe, konnte ich auch ungezwungener mit Frauen umgehen und meine ersten Freundinnen und Erfahrungen auf Liebesebene habe ich dank der Tanzschule gewonnen. Ich würde auch nicht sagen, dass ich irgendwie gut- oder schlechtaussehend gewesen wäre, einfach unauffällig und durch meinen Charakter und meine Hobbies immer eher der Außenseiter.
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